Sie feierten die Campus-Eröffnung (vl): Walter Schönholzer, Caroline Obolensky, Michael Grossniklaus von der Uni Konstanz, Meinrad Koch, Jérôme Müggler und Kris Vitze. Kurt Peter
26.02.2026 00:00
Digitale Kompetenz fördern
In Kreuzlingen entstand der I + D Campus - Industrie- und Handelskammer initiierte das Vorhaben
Innovation und Digitalisierung fördern: Das ist das Ziel des Innovation & Digital Campus Thurgau. Mit der Eröffnung ist in diesem Bereich ein Meilenstein gelegt worden.
Kreuzlingen Mehrere Jahre hat es gedauert, bis von der Idee über Projektentwicklung und Finanzierung der Innovation & Digital Campus Thurgau (I + D Campus) vergangene Woche eröffnet werden konnte. Regierungsrat Walter Schönholzer sprach anlässlich der Feier davon, dass «Digitalisierung eine Herzensangelegenheit ist, dass wir aber im Thurgau noch einiges vorhaben». Ganz besonders für die Wirtschaft sei Innovation und Digitalisierung zentral. Der Kanton sei wirklich schwach unterwegs im Bereich der Innovationskraft. Mit dem Campus, der auf die Initiative der Industrie- und Handelskammer Thurgau (IHK) zurückgehe und von den TKB-Millionen profitiere, «können wir viel erreichen».
Grundstein zum Erfolg gelgt
Auch wenn das Startnetzwerk Thurgau bereits eingezogen sei, «wir sind noch ganz am Anfang», betonte Walter Schönholzer. Zentral sei die gesellschaftliche Akzeptanz der Digitalisierung, meinte er. Und Innovation bedeute, echte Probleme zu lösen. «Der Grundstein zum Erfolg ist gelegt», zeigte er sich überzeugt. Ebenso Kris Vitze, Präsidentin der IHK. Sie sei sich sicher, dass der Thurgau mit seiner überwiegenden KMU-Struktur vom Dienstleistungsangebot des Campus profitieren werde. Die Stiftung I + D Campus sei gegründet worden, weil «nie die Idee war, dass die IHK den Campus führen werde», sagte die Nationalrätin.
Mit Geschäftsführer Meinrad Koch sei der Campus operativ in guten Händen, sagte Jérôme Müggler, Stiftungsratspräsident und der IHK. Der Beginn sei einigermassen abenteuerlich gewesen, blickte er zurück. Der damalige IHK-Präsident Christian Neuweiler sei mit den Worten «wir machen jetzt einen Campus» zu ihm gekommen. Und seither sei er mit dem Projekt beschäftigt. Mit den TKB-Millionen sei die Finanzierung in die Gänge gekommen, aus einem anspruchsvollen Projekt sei ein emotionales geworden. Kritisch fügte der IHK-Dirketor an: «Wir müssen proaktiver und regelmässiger informieren».
Talente in den Thurgau geholt
Christof Widmer, Leiter des Amtes für Mittel- und Hochschulen, erwähnte in seiner Ansprache vor allem die gute Zusammenarbeit mit der Universität Konstanz und der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTGW) Konstanz. Sein Amt sei zuständig für die Stiftung Wissenschaft und Forschung, welche vier An-Institute der Uni und der HTWG unter ihrem Dach habe. Im neuen Campus sei das Institut für digitale Transformation (TIDIT) beheimatet, das ein An-Institut beider Hochschulen sei. «Heute feiern wir den gelungenen Schlusspunkt einer langwierigen Entwicklung», meinte er .
Caroline Obolensky erklärte als Geschäftsführerin des TIDIT, dass die operative Tätigkeit bereits vor zwei Jahren begonnen habe. Die Aufgabe des Instituts: «Wir sorgen dafür, dass aus grossen Datenmengen bessere Entscheidungen kommen». Das Institut habe bereits einen guten Namen und es sei gelungen, Talente in den Kanton zu holen um Spitzenforschung zu machen. Neben Grundlagen- betreibe das Institut auch Marktforschung. Digitale Kompetenzen bezeichnete Caroline Obolensky als wichtig, das TIDIT werde diese fördern.
Weg zurück zum realen Umgang
Über Chancen und Risiken der Digitalisierung sprach Stephan Sigrist, Gründer und Leiter des Thinktank W.I.R.E. Es gelte, sich auf neue Rahmenbedingungen einzustellen und zu überlegen, welche Herausforderungen für den Standort Thurgau beständen. «Nicht alles, was digital gemacht werden kann, funktioniert», erklärte er. Es funktioniere, wenn die Gesellschaft bei der digitalen Transformation mitgenommen und auf deren Bedürfnisse eingegangen werde. Bodenständige Visionen seien die Grundlage des Fortschritts. Ausserdem gebe es eine Gegenbewegung: «Kunden suchen den realen Umgang mit Menschen, der Campus ist ein geeigneter Ort, er ist ein Ort des Austauschs».
Von Kurt Peter