Die Köpfe hinter dem Eventprogramm trafen sich zu einem Gedankenaustausch. Bild: Desirée Müller
02.07.2026 10:00
Fantastical hebt gemeinsam ab
Letzte Woche trafen sich erstmals die wichtigen Akteure des Seenachtfests und suchten nach Wegen, enger zusammenzuarbeiten
Zwischen Braukesseln, Hafenluft und Visionen wurde in Kreuzlingen sichtbar, was das Fantastical 2026 ausmachen soll: nicht nur ein grosses Sommerfest, sondern ein Zusammenspiel vieler Szenen, Vereine, Bühnen, Bars, Familienangebote und Musikwelten.
Kreuzlingen Eingeladen waren die Veranstaltungspartner in die Brauerei Xlinger Bier. Ein Ort, der zum Abend passte: lokal verwurzelt, handgemacht, unkompliziert. Draussen, vor dem Braulokal, sassen die Beteiligten an Bierbänken. Keine steife Präsentation, kein langer offizieller Auftakt. Stattdessen ein erstes Kennenlernen, viele kurze Vorstellungen und immer wieder dieselbe Frage: Wie können alle zusammen mehr erreichen, als jeder für sich allein?
Schnell wurde klar: Das Fantastical ist längst mehr als eine Abfolge einzelner Programmpunkte. Es ist ein Mosaik. Katakumba und BNKR bringen elektronische Nächte zum Aussichtsturm. Kultling nutzt die Theaterkulisse des See-Burgtheaters für Konzerte. Groove Music setzt auf urbane Sounds, Comedy und internationale Acts. F!RØ by Fartec will Latin, Afrobeats und Reggaeton unter freiem Himmel feiern. Die Junge Wirtschaftskammer bespielt den Hafenspitz. Salsa, Country Town, Kinderland, Lunapark, Riesenrad, TKB Allee-Drome und weitere Partner sorgen dafür, dass fast jede Altersgruppe und jede Szene ihren Platz findet. Im Zentrum des Abends standen aber nicht nur Bühnen und Programme, sondern Kommunikation. Wie erzählt man ein Fest, das so viele Gesichter hat? Wie erreicht man Familien, Nachtschwärmer, Salsa-Fans, Gewerbe, junge Leute, ältere Gäste, Konstanz, Kreuzlingen und die Region zugleich?
Die «Drohnen-Jungs»
Genau hier meldeten sich Moritz Schneider und Dennis Bührer von Dronecamedia besonders aktiv zu Wort. Die beiden wollten wissen, was die Veranstalter planen, welche Zielgruppen sie erreichen möchten und welche Geschichten sich schon vor dem Fest erzählen lassen. Drohnenaufnahmen, Fotografie, kurze Clips, Social-Media-Beiträge, Aftermovies, Blick hinter die Kulissen, Aufbau-Dokumentationen und mögliche Aufnahmen rund um das Feuerwerk: Die Palette an Ideen war breit.
Dennis Bührer brachte den Gedanken auf den Punkt: «Wir müssen im Moment Videos machen, die Zusammenarbeit sichtbar zeigen und den Fantastical-Account über Kollaborationen stärken.»
Musikalische Highlights
Bei Kultling zeigte Raphael Hugentobler, weshalb gerade diese Vorab-Erzählung wichtig ist. Die Bühne des See-Burgtheaters werde wieder zur besonderen Konzertkulisse. Der Fokus bleibe lokal und regional, zugleich wolle man gute Headliner holen und Kontakte spielen lassen. Montezuma, frytz, Heera, Tinka, Reviväl, The Cone und Gini Brown stehen für ein Programm, das zwischen Indie, Rock, Rap, Pop und tanzbaren Sounds pendelt.
Auch Thierry Baiker von BNKR und der Katakumba dachte stark in Bildern. Beim Aussichtsturm soll elektronische Musik nicht einfach nur aus Lautsprechern kommen, sondern in einer eigenen Welt stattfinden. Ein Tempel, griechische Säulen, viel Efeu, ein deutlicher Wegweiser zum Thema: Die Bühne soll anders aussehen als sonst. «Die Ohren sollen schön gedröhnt werden», sagte Thierry mit einem Lächeln.
Groove Music brachte den Open-Air-Bereich ins Gespräch. Inhaber sprach Engjel Gjonisprach von Künstlern aus Deutschland, Acts aus Zürich und DJs aus Holland. Zum ersten Mal bekommen bekannte Comedians wie Gabirano oder Kristina Bogansky einen Auftritt. Der Ticketverkauf (15 Franken) habe bereits überrascht.
Etwas für ruhige Gemüter
Bei F!RØ by Fartec geht es um ein anderes Lebensgefühl. Robert Kola und Filippo Milone erzählten von Reggaeton, Afrobeats, beleuchteten Palmen, regionaler Verankerung und dem Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen. Zum fünften Mal sind sie dabei, ein kleines Jubiläum also. Die Junge Wirtschaftskammer Untersee-Kreuzlingen, vertreten durch Adrian Widmer, stellte den Hafenspitz als Ort für Gewerbe, Begegnung und etwas ruhigere Festivalmomente vor. Klein angefangen, sei der Bereich über die Jahre gewachsen. Heute gehören Gewerbeapéro, Nachhaltigkeitspreis, DJ-Betrieb, Bandprogramm, Schützengartenbar, verschiedene Biersorten und die bekannten E-Shots dazu. Einnahmen werden weiter gespendet. Die Zielgruppe ist bewusst breiter: nicht nur die Jüngsten, sondern auch jene, die das Fest gemütlicher erleben möchten.
Sascha Minic brachte die Salsa-Bühne ins Spiel. Das Fantastical soll wie eh und je von Freitag bis Sonntag tänzerisch aufgeladen werden. Workshops, Bachata, Samba, Shows, Animationen, Salsa-Partys und am Sonntag ein Family-Tag: Hier soll Bewegung entstehen, nicht nur Publikum vor einer Bühne. Kinder und Jugendliche sollen mittanzen, Spass haben und sich austoben können.
Das Programm rund um die
Musik überzeugt
Die Westernstadt wird mit einem Barbier-Shop, Sheriff-Spielstrasse, Westernschiessen, Pferdederby, Familienangeboten und Line Dance erweitert. Neu kommt eine Country-Liveband dazu. Das Kinderland wird an allen drei Tagen frühe Stunden mit zusätzlichen Spielen füllen: Küchenschürzen verzieren, Muffins, Kinderdisco. Auch das Riesenrad ist wieder dabei, ebenso der Lunapark von Hans-Peter Maier mit bekannten und neuen Bahnen.
Auch die Hafenbühne ist bunt bespielt. Christine Forster bringt mit «Dein Mitsing Ding» ein offenes Chorprojekt für alle, die Lust haben, einfach mitzusingen.Dazu kommen Drums2Streets Jahre nach ihrer «Entdeckung» am Fantastical mit einer Darbietung wieder zurück.
Es wurde viel geredet, gefragt, notiert, verglichen. Manchmal ging es technisch zu und her: Zielgruppen, Algorithmen, Collab-Posts, Ticketpreise, Altersbändel, Backstagebilder, VIP-Zugänge.
Die Antwort des Abends war einfach: gemeinsam.
Desirée Müller