David Bruder, Laurent Schmidt, Maia Cater und Svenja Linsdörfer gestalteten und erarbeiteten die Ausstellung und ...
28.05.2026 05:00
Jedem Objekt seine Geschichte
«Neue Geschichten aus dem Stadtlabor» rückt die Sammlung des Museums Rosenegg in den Mittelpunkt
Vom 30. Mai bis 28. Februar 2027 widmet sich das Museum Rosenegg ganz den eigenen Beständen. «unerhört unerforscht» zeigt Objekte mit überraschenden Hintergründen und interessanten Geschichten.
Kreuzlingen «Wir haben anlässlich des ersten Stadtlabors zu den bereits vorhandenen Gegenständen auch neue Objekte bekommen», erklärt Museumsleiter David Bruder. «Objekte, von denen wir nicht alles wissen, was wir gerne wissen wollen». Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung stehe nun die Museumssammlung, erzählt würden neue Objektgeschichten, auch solche, die über Kreuzlingen hinausgingen.
Waffensammlung versteigert
Stellvertretend für die sammlungsgeschichtliche Reise stehe ein 2023 wieder aufgetauchter Koffer, der 1951 von Kreuzlingen nach Lübeck verschickt worden sei. «Wir wissen, dass er einem Albert Buchenhorner an der Schmittenstrasse gehörte, er wurde 1887 unehelich in Radolfzell geboren und hat 1916 in Lübeck geheiratet». 1948 sei er in Lübeck gestorben, warum der Koffer 1951 verschickt worden sei, bleibe aber ein Rätsel, so David Bruder. «Eventuell hat Albert Buchenhorner zwischenzeitlich in der Schweiz gelebt, es gibt durch seine Heirat jüdische Spuren».
Der Koffer ist ein kleiner Teil von überraschenden Funden. Laurent Schmidt, Sammlungsleiter des Museums Rosenegg, und Praktikantin Maia Cater haben im Kulturgüterschutzraum der Stadt noch weitere interessante Objekte gefunden. «Und zu einigen Gegenständen konnten wir auch die Geschichten herausfinden, andere bleiben wohl für lange Zeit oder für immer rätselhaft». Von anderen Gegenständen wisse das Museum, dass sie abgegeben worden seien. «Beispielsweise gingen Gegenstände aus den europäischen Kolonien ans ethnografische Museum Neuenburg». Wohl im Glauben, dass sie nicht nach Kreuzlingen gehörten. «Doch auch hier haben Menschen Objekte gesammelt, Menschen aus Kreuzlingen mit einer entsprechenden Geschichte dahinter», ergänzt David Bruder. Und so sei eine ganze Waffensammlung verschwunden. «Wir haben noch die Karteikarten, aber keine Gegenstände mehr». Die Waffen seien über ein Berner Auktionshaus versteigert worden, so viel sei bekannt.
Bestand endlich aufarbeiten
Es sollte kein einziger Gegenstand als Schwerpunkt auf Flyer und Plakat abgedruckt werden, sondern Objekte, die die Geschichte in Bildern fasse, so Svenja Linsdörfer, die mit Lara Thomann die Werbemittel gestaltete. «Es war eine interessante Herausforderung, verschiedene Geschichten und Objekte zusammenzufassen und so zu gestalten, dass Lust auf eine geschichtsträchtige Reise entsteht». Die neue Ausstellung wird vom Museum auch als eine Art Startschuss gesehen: «Mit der webbasierten Datenbank Museum plus können wir den Bestand endlich aufarbeiten, digitalisieren und online zugänglich machen», so Laurent Schmidt. Und David Bruder ergänzt: «Das ist viel Arbeit und deshalb suchen wir interessierte Freiwillige».
Die Vernissage zu «unerhört unerforscht» findet am Freitag, 29. Mai, 19 Uhr, im Museum statt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm rundet die Ausstellung ab, bereits am Dienstag, 2. Juni, 19 Uhr, referiert Peter Bretscher, ehemaliger Sammlungskurator des Historischen Museums über «Dinge, die niemand mehr kennt». Ein Vortrag über seiner langjährige Erfahrung mit vergessenem Kulturgut.
Von Kurt Peter