Harrt der Dinge, die da kommen: die Hertlerhalle. Kurt Peter
28.05.2026 05:00
Der Stromhandel macht Sorgen
Gemeindeversammlung Tägerwilen stimmte den Rechnungen und einem Kreditantrag einstimmig zu
Energie war das beherrschende Thema der Rechnungsgemeindeversammlung Tägerwilen. Der grosse Verlust beim Stromhandel führte zu Diskussionen und Erläuterungen zu diesem sehr komplexen Bereich. Die vorliegenden Traktanden wurden alle einstimmig genehmigt.
Tägerwilen 78 Stimmberechtigte konnte Gemeindepräsident Markus Ellenbroek am Dienstagabend in der Bürgerhalle begrüssen. Das Traktandum «Rechnung der Gemeinde und der Werke» wurde von Gemeinderätin Rebecca Fässler vorgestellt. Sie konnte der Versammlung ein Glanzresultat präsentieren: «Statt des budgetierten Verlustes von 710'000 Franken schloss die Rechnung der Gemeinde mit einem Gewinn von 1,1 Millionen Franken».
Hohe Spitex-Rückzahlungen
Verschiedene Faktoren seien für das gute Resultat ausschlaggebend, erklärte sie. Ein ganz grosser Posten seien die Rückzahlungen der Spitex. Laut der zuständigen Gemeinderätin Margrith Künzi war dies auf ein neues Abrechnungsmodell zurückzuführen. 40 Prozent der Zahlungen seien auf die Einwohnerzahl zurückzuführen, 60 Prozent auf die Zahl der Fälle. «Weil wir in den vergangenen zwei Jahren weniger Fälle hatten, kam eine grosse Rückzahlung der Spitex, was schliesslich zu 438'000 Franken weniger Aufwand führte», so die Gemeinderätin.
«Das Resultat deutlich verbessert haben die höheren Steuereinnahmen», sagte Rebecca Fässler. Der Fiskalertrag sei um 847'000 Franken besser ausgefallen als budgetiert. Bei den natürlichen Personen seien 3,7 Prozent mehr Steuern eingegangen, bei juristischen Personen 6,7 Prozent mehr. «Da hatten wir einzelne positive Ausreisser». Die Quellensteuern wurden 38 Prozent übertroffen, der Nachholeffekt beim Kanton zeige Wirkung. Die schwer zu budgetierenden Grundstückgewinnsteuern seien knapp unter dem Budget geblieben. Die Liegenschaftensteuern hingegen seien leicht leicht darüber ausgefallen.
Die Krux mit dem Markt
Bei den Werken schloss der Stromhandel mit einem Verlust von fast 420'000 Franken ab. Der zuständige Gemeinderat Jean-Michel Farine ging im Detail auf die Gründe ein. Um die Bevölkerung zuverlässig mit Energie zu versorgen sei eine langfristige Planung nötig. «Strom kann nicht gelagert werden. Er muss genau dann gekauft oder verkauft werden, wenn er tatsächlich gebraucht wird», machte er auf die Problematik aufmerksam. Die Krux dabei: «Die am Spotmarkt verkaufte Energie konnte nur zu ungünstigen Preisen abgesetzt werden, da Strom am Spotmarkt meist dann verkauft wird, wenn die Preise tief sind und zugekauft wird, wenn die Preise hoch sind».
Die EKT Energie AG habe per 1. Januar 2025, als Reaktion der gestiegenen Ausgleichsenergiekosten (AE) der Jahre 2022-2024 von der Netto- zur Bruttoverrechnung für den Energiebezug gewechselt. «Dies führte im 2025 zu Ausgleichsenergie-Kosten von Franken 220 000 was einem Anstieg von 350 Prozent entspricht», sagte der Gemeinderat. Dies habe zu Massnahmen geführt, sagte Jean-Michel Farine weiter. «Ab 2029 beschafft das Elektrizitätswerk die Energie über die Plattform OMPEX. Dadurch können wir schneller auf Veränderungen reagieren und den Stromeinkauf effizienter und professioneller gestalten». Ab 2026 richte sich die Vergütung für Solarstrom nach dem Referenzmarktpreis. Eine Mindestvergütung von 6 Rappen pro Kilowattstunde stelle sicher, dass Photovoltaik-Anlagen weiterhin amortisiert werden könnten. «Denn die Gemeinde brauch diese Anlagen zur Stromproduktion und fördert sie deshalb auch.
Sanierungskredit bewilligt
Der Bereich Elektrizitätswerk Stromnetz schloss mit einem leichten Gewinn von 225'000 Franken, der Wärmeverbund mit einem Gewinn von 52'000 Franken und das Wasserwerk mit einem Minus von 20'000 Franken. Die Gemeindeversammlung stimmte den Rechnungen einstimmig zu und auch die Verwendung der Rechnungsergebnisse wurden genehmigt. Der Gewinn von 1,1 Millionen Franken wird ins Eigenkapital gelegt. «Dank des guten Rechnungsresultates entspannt sich die finanzielle Lage der Gemeinde spürbar», so Rebecca Fässler abschliessend.
Das Kreditbegehren für die Strassen- und Werkleitungssanierung Sonnenbergstrasse von 630'000 Franken wurde von den Stimmberechtigten deutlich gutgeheissen. Die Sanierung sei nötig, weil die vorhandene EW-Erschliessung für das Bauprojekt nicht ausreichend sei, sagte Markus Ellenbroek. Das Projekt werde vorgezogen, weil die Detailplanung für die Einfamilienhäuser abgeschlossen und der Baubeginn erwünscht sei. Neben der der EW-Sanierung werde auch die Wasserleitung und die Abwasserleitung ersetzt.
Zum Abschluss der Versammlung ging Markus Ellenbroek unter «Information» noch auf laufende Projekte ein. Mit dem Bau des Friedhofsgebäudes sei begonnen worden, die Tiefbauarbeiten seien Ende Mai abgeschlossen, dann folgten die Baumeisterarbeiten. In Betrieb genommen werde die neue Anlage voraussichtlich Anfang 2027. Die Zentrumsentwicklung sei auf Kurs, erklärte Markus Ellenbroek weiter. Die Verlängerung der Planungszone laufe bis maximal März 2028. «Bis Ende 2026 werden Gestaltungsrichtplan und Baulinienplan inklusive Vorprüfung erarbeitet».
Bei der Hertlerhalle «sind zusätzliche Abklärungen wie Prüfung der Vorschläge, weitere Aspekte, weitere Varianten, Plausibilisierung der Grobkosten und Zweitmeinung in Bearbeitung». Ausserdem wolle der Gemeinderat die Option für die Lösung der Engpässe und den Bedarf Turnhallennutzung aufzeigen.
Informiert wurde an der Gemeindeversammlung auch über die Anpassungen im Energieförderprogramm. «Zentral dabei ist, dass wir Batteriespeicher für Solarstromanlagen im Förderprogramm aufgenommen haben», so der Gemeindepräsident. Margrith Künzi informierte abschliessend über die seit dem 1. Januar 2026 bestehende Fachstelle für Familienfragen. Die Stelle im 20-Prozent-Pensum werde von Schulsozialarbeiterin Linda Bühler besetzt. «Wir können mit der Fachstelle eine niederschwellige Hilfe anbieten, der Bedarf ist ausgewiesen».
Von Kurt Peter