Sie freuten sich über das Jubiläum (vl).): Lorenz Zubler, Denise Neuweiler und Peter Stamm. Kurt Peter
30.04.2025 05:00
«Die schönste Nische der Literatur»
Die Thurgauische Bodmanstiftung feierte ihren 25. Geburtstag - Das Literaturhaus blickt auf eine erfolgreiche Geschichte zurück
Ein Literaturhaus mit Strahlkraft feierte am Wochenende sein 25-jähriges Jubiläum. Das Gottlieber Bodmanhaus ist ein Ort ganz im Zeichen der Literatur und des Buches, wie Lorenz Zubler, Präsident der Thurgauischen Bodman-Stiftung festhielt.
Gottlieben Unter dem Motto «Die schönste Nische der Literatur» werde das Jubiläum begangen. Mit diesen Worten begrüsste Lorenz Zubler die zahlreichen Gäste in der Kirche Gottlieben. «Die grossen Literaturhäuser befinden sich in Zürich oder Basel, die grossen Literaturevents finden in Basel oder Solothurn statt», sagte er. Dagegen sei das Literaturhaus Thurgau klein, es liege am Rande der Schweiz, in unmittelbarer Nähe der Universitätsstadt Konstanz, die wiederum ganz am Rande Deutschlands liege.
Gästewohnung ist sehr beliebt
«Heute ist die Gegend Peripherie, aus deutscher wie aus schweizerischer Sicht, das Bodmanhaus demzufolge eine Nische in einer Randregion». Aber auch Nischen könnten eine Strahlkraft haben. In den vergangenen 25 Jahren habe sich das Literaturhaus einen Namen erarbeitet, wie die Zahlen belegten: Es habe 500 Veranstaltungen mit über 400 Autorinnen und Autoren gegeben und es hätten über 40 Personen, in der Gästewohnung einige Monate als Stipendiantinnen oder Stipendianten gelebt. Ohnehin «dürfen wir feststellen, dass der Aufenthalt in unserer Gästewohnung sehr begehrt ist», hielt Lorenz Zubler fest.
Das Bodmanhaus sei ein ganz spezieller Ort, das werde allen deutlich, die das Haus besuchten. Der Kern des Hauses gehe auf das 17. Jahrhundert zurück, 1812 zu seiner heutigen Form erweitert und in den späten 1990er Jahren umfassen renoviert. «Das Haus war Wohnort des Dichters Emanuel von Bodman, wovon die heutige Gedenkstätte zeugt». Es sei indes nicht selbstverständlich, dass in Gottlieben ein Literaturhaus entstanden sei, es habe Menschen gegeben, die das Potenzial des Hauses erkannt und Tatkraft gehabt hätten.
Eine mutige Idee
Zu nennen sei an erster Stelle Robert Holzach, der Emanuel von Bodman noch persönlich gekannt habe. «Seinem Weitblick ist es zu verdanken, dass die Thurgauische Bodman-Stiftung gegründet werden konnte». Ihm zur Seite sei von Anfang an Robert Fürer gestanden, der auch der erste und langjährige Stiftungspräsident gewesen sei. Ebenfalls entscheidend sei die Gottlieber Bürgerin Lore Gerster gewesen, die sich bereits in den 1980er Jahre für die Errichtung einer Gedenkstätte engagiert habe und Graf Wilderich von und zu Bodman, der bereit gewesen sei, das Haus aus der Bodmann'schen Stiftung herauszulösen. «Damit aus dem Haus ein Literaturhaus wird, das weit über die Region hinausstrahlt, müssen Veranstaltungen geplant und durchgeführt werden, deshalb ein grosser Dank an alle Personen, die in den letzten 25 Jahren für das Programm verantwortlich waren», so Lorenz Zubler.
«Es war eine mutige Idee, als Robert Holzach 1996 den Vorsatz fasste, das Haus am Dorfplatz instand zu stellen und der Literatur zu widmen», sagte Regierungsrätin Denise Neuweiler, Chefin des Departements für Erziehung und Kultur. Gewiss sei Robert Holzach am Anfang auf Skepsis gestossen: «Passt ein Literaturhaus, ein Haus des Buches, auf Land, in ein beschauliches Dorf? Heute, nach 25 Jahren wissen wir: Die Idee war nicht nur mutig, sondern auch richtig und wegweisend».
Das Bodmanhaus:Ort der Geborgenheit
Das Besondere am Bodmanhaus sei es, dass hier nicht nur über Literatur gesprochen werde, sondern in ihm darüber hinaus auch Literatur entstehe. Schriftstellerinnen und Schriftsteller könnten sich in einer für sie eingerichteten Wohnung vom Alltag zurückziehen und und sich ganz ihrer schriftstellerischen Tätigkeit widmen. «So ist das Bodmanhaus für Schriftstellerinnen und Schriftsteller eine Geborgenheit und Motivation spendende Nische. Eine solche schöpferische Nische für neue Texte sein zu können, stellt für das Bodmanhaus eine schöne Auszeichnung dar», sagte Denise Neuweiler.
Festredner Peter Stamm, der Autor war selbst öfter Gast in der Wohnung des Bodmanhauses in Gottlieben, meinte, dass er wohl nie eine Geschichte schreiben werde, die in Gottlieben spiele, «schon gar nicht, wenn ich in Gottlieben bin, was nicht selten vorkam». Vor allem während der Corona-Pandemie sei die kleine Schreibwohnung die Rettung für ihn gewesen. 20 Wochen habe er inzwischen in der Wohnung verbracht in denen er nicht viel anderes gemacht habe als zu schreiben, zu lesen und den Seerhein entlang zu spazieren um auf neue Ideen zu kommen. «Ich muss mich in Gottlieben nicht mit Emanuel von Bodman messen, ich muss mich nicht mit der Landschaft messen. Beide sind offen für mich in alle Richtungen. Ich kann mich in ihnen bewegen, kann Entdeckungen machen, aber nichts drängt sich auf».
Von Kurt Peter